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Rifugio Vazzoler – Rifugio C. Tome am Passo Duran

Etappe 6

Mit meinem Lärmschutz bekomme ich zum Glück nicht mit, dass für die meisten die Nacht schon ab 5.00 Uhr vorbei ist. Als ich aufwache, sind unsere Zimmergenossen und viele Andere schon auf dem Weg zu ihrem Kletterziel.

Eigentlich wäre die Rifugio Bruno Carestiato unser Etappenziel gewesen. Diese ist leider komplett belegt, so dass wir ins Rifugio C.Tome am Passo Duran ausweichen. Zudem ist noch nicht klar, ob unsere nächste Etappe wieder eine kombinierte sein wird, womit wir dann eine halbe Stunde Abstieg gespart hätten. So liegen ca. 5h Gehzeit vor uns.

Zunächst müssen wir wieder dem ungeliebten Fahrweg Richtung Val Corpassa folgen. Nach einigen Kehren und 280m Höhenverlust weist uns Wegweiser endlich Richtung Berghang. Wir durchqueren ein ausgetrocknetes Flußbett, bevor es auf weichen Untergrund durch lichten Bergwald wieder hinauf geht. Gelegentlich eröffnen sich schmale Geröllfelder vor uns. Nur einmal kann man von groben Blockwerk sprechen. In der zugrundeliegenden Beschreibung ist von 3 Scharten die Rede, wobei an der Col dell`Orso Seilversicherungen auf uns warten.

Mittlerweile haben wir den Wald unter uns gelassen und queren teilweise steil abfallende Geröllhänge. Kurz vor der zweiten Scharte Forcella dell`Orso folgt ein etwas heikleres Stück. Der Weg, aus losem Gestein, fällt talwärts ab. Der sehr steile, endlos wirkende Geröllhang zu unserer Linken lässt uns vorsichtiger den nächsten Schritt wählen. Hinzu kommen noch 50cm mehrere Felsstiege, die mit dem schweren Gepäck zu meisten sind. Als wir die Forcella erreichen, gönnen wir uns erst mal eine Verschnaufpause. Mit einem etwas mulmigen Gefühl sehen wir der seilversicherten Stelle entgegen. Dies stellt sich als völlig unproblematisch heraus. Wir benutzen nicht mal die Seile. An der vorigen Schwierigkeit hätten wir lieber eine Hilfe gesehen. Wir folgen dem Weg unterhalb der Westwand des Moiazza Massivs. Hinter uns geht ein Steinschlag von der fast senkrechten Felswand ab. Wir hören Stimmen aus der Wand und können die Bergsteiger in den grauen Felsen ausmachen. Die Steine sind ca. 200 Meter links von ihnen abgegangen – Glück gehabt.

An steilen Grashängen entlang erreichen wir die Forcella del Camp. Wir können das Rifugio Bruno Carestiato schon in der Ferne erkennen. Der Weg dorthin zieht sich jedoch ein wenig. Grisu hat Durst auf eine Apfelsaftschorle und ich müsste mal aufs stille Örtchen. So ziehen wir merklich unser Tempo an. Wir erreichen die gut besuchte Hütte. Nun haben wir alle Zeit der Welt. Nach einer ausgiebigen Mittagspause trennen wir uns von unseren Wegbegleitern, die ich ja noch gar nicht erwähnt habe. Ein Pärchen aus den Niederlanden, das wir schon auf der Rifugio Cinque Torri kennenlernten. Sie schlafen woanders, aber wir werden sie sicher am nächsten Tag wiedersehen.

Wir steigen noch 30min ab zum Passo Duran. Das Rifugio C. Tome ist keine Berghütte, sondern eher eine Passstation. Man sollte also keine Hüttenatmosphäre erwarten. Doch ein Bettenlager und eine Dusche reichen uns. Die Dusche ist übrigens im Preis von 34 Euro Halbpension enthalten. Duschen ohne Limit. Gegen Abend füllt sich das Bettenlager doch noch. Auf uns wartet ein Abendessen mit frischen Salatbuffet. Sehr gut und die Inhaber sind sehr freundlich. Eine gute Alternative, falls die kleine Rifugio Bruno Carestiato voll ist. Wir rufen das Rifugio Sommariva al Pramperèt an. Oh Schreck! Keine Plätze mehr frei. Damit steht zunächst fest, dass wir doch eine zusammengelegte Etappe auf uns nehmen müssen. Wir wollen es jedoch nochmal Vorort versuchen.