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7-8 Tag

10
Feb.
2011

Kaua'i - Kalalau Trail 2 Tages Trip

Wie angekündigt steht für heute der Kalalau Trail auf dem Programm. Geplant ist ein 2 Tage Trip ins Kalalau Valley, mit einer Übernachtung in der „schönsten Sackgasse der Welt“.

Vorab: Schlechte Planung und Regen ohne Ende machten den Trip zu einer Tortour. Man sollte die Tour auf keinen Fall mit nur einer Übernachtung planen. Erstens lohnt es sich nicht den anstrengenden Weg für die kurze Zeit auf sich zu nehmen und beim Auftreten der kleinsten Widrigkeit, ist die Tour an einem Tag nicht mehr entspannt zu schaffen. Weiterhin sollte man den Trail auch nicht unterschätzen. Die Widrigkeiten, die wir vorfanden, machten die 6 Meilen anstrengender als jede Etappe, die wir in Nepal absolvierten.

Unser Trip beginnt morgens um 5.30 Uhr im Hotel. Wir wollen früh los, um möglichst viel Zeit im Kalalau Valley zu verbringen. Oh Graus, es regnet. Als wir die Lobby um 6:00 Uhr betreten beginnt es heftigst an zu regnen, so dass wir schon hier die erste Zwangspause einlegen müssen. Nach 20min. fasse ich mir ein Herz und renne zum Auto, um es vor die Lobby zu fahren – 60m Sprint, trotzdem durchnässte Hose. Wir fahren nach Kapa'a zum Starbucks. Hier nehmen wir ein kleines Frühstück und fahren schnell weiter, in der Hoffnung, dass sich der Regen verzieht, so wie es die letzten Tage oft der Fall war. Angekommen am Startpunkt dem Kalalau Trail Head am Ke'e Beach, regnet es immer noch etwas, so beginnen wir mit etwas Unbehagen unsere Tour. Nach 20min kommt endlich die Sonne heraus, dies aber mit voller Wucht und bei einer extremen Luftfeuchtigkeit. Der Hauptteil des gesamten Wegs führt durch dichten Wald. Nur die wenigen exponierten Punkte an den Klippen bieten etwas Abkühlung durch den Wind. Aufgrund der Niederschläge ist der Weg schon am Anfang schlammig und rutschig wie Schmierseife. Nach !!!1h45min und 2Meilen !!! erreichen wir erst das Hanakapi'ai Valley, wo wir den ersten breiteren Fluss überqueren müssen. Wir ziehen unsere völlig mit roten Matsch bedeckten Schuhe aus und durchwaten, neben vielen andern Besuchern, den knietiefen Strom. Außer für uns und einer Gruppe von 4 Amerikanern, die mit uns gleichzeitig losgingen, scheint hier Schluss zu sein. Die Amis haben Rücksäcke so groß wie Wohnwagen auf dem Rücken. Beim nächsten Anstieg überholen wir die Vier, wobei einer schon unter dem Gewicht seines Rucksacks ächzt. Wir ziehen unsere Bahnen durch den Wald. Der Pfad ist oftmals nicht breiter als 30cm und teilweise schon überwuchert. Immer noch extrem rutschig, kommen wir nur langsam vorwärts. 1 Meile pro Stunde ist zu langsam. Die Pausen werden länger. Dann endlich eine Aufmunterung. Grisu entdeckt einen Wal ca. 700m von uns entfernt. Der Motivationsschub hält jedoch nicht lange an. Wir erkennen in der Ferne eine Regenwand vom Meer her auf uns zu kommen. Vorsichtshalber ziehen wir schon unsere Regenjacken an. Nach 10min scheint es, dass der Kelch an uns vorüber zieht. Grisu entledigt sich ihres Nässeschutzes und wie soll es anders sein? 5Min später fängt es an zu Nieseln. Nach 6h erreichen wir das erste Camping-Areal im Hanakoa Valley. Hier treffen wir Paul aus Alaska, der als einziger hier sein Zelt aufgeschlagen hat. Der Platz ist auch nicht sehr schön. Im Unterholz sind einige plane Flächen freigelegt, die sehr schlammig sind. Doch während unserer Pause, erklärt Grisu, dass sie nicht noch 5Meilen schafft. Nicht wegen der Kraftanstrengung, sondern der mentalen Anstrengung durch die ständige Konzentration während jedes Schrittes. So werden wir hier übernachten müssen. Es gibt einen überdachten Unterstand und ein Plumpsklo. Paul sagt uns, dass auf der anderen Seite des Tals auch noch eine Campinggelegenheit liegt. Die möchten wir uns ansehen. Dafür müssen wir wieder einen Fluss überqueren. Nach ca. 200m durch dichtes Unterholz erreichen wir den Platz. Auch nicht besser und keine Toilette oder ein Unterstand. Ok, dann wieder zurück. Paul freut sich. Er erzählt uns, dass er am Vorabend 2Stunden benötigt hat, um sein Feuer anzuzünden. Plötzlich fängt es heftig an zu regnen. In diesem Moment kommen die vier Amis an. Einer trägt 2 Rucksäcke, einer keinen. Völlig erschöpft sind beide. Es sind Brüder. Der Fittere hatte schon früh beide Lasten übernommen. Als er sich etwas dehnt, bekommt er Nasenbluten. Im scheint nicht klar zu sein, dass er sich völlig verausgabt. Nach 20 Minuten hat der Regen alles durchnässt.

Das Wasser steht auf den Zeltparzellen. Die Amis wollen weiter. Wir entschließen uns, unser Zelt im Unterstand aufzubauen. Pauls Zelt ist nämlich schon abgesoffen. Sein Feuer brennt immer noch und er platzt vor Stolz. Während wir zu Abend essen, trudelt noch ein älteres kanadisches Pärchen ein. Wir sitzen noch kurz um Pauls Lagerfeuer zusammen und gehen tatsächlich schon um 20:00 Uhr ins Zelt. Grisu ist die Sache nicht geheuer, da Paul ihr unbedingt noch erzählen musste, dass Nachts Wildschweine im Camp waren – Na Danke. Die Nacht verläuft ruhig und wir schlafen beide wie ein Stein. Einmal werden wir beide geweckt, da es unglaublich anfängt zu schütten und die Tropfen aufs Dach prasseln.


Der nächste Morgen. Um 7:00 Uhr werden wir wach und sind verwundert, dass wir so gut schlafen konnten. Es regnet stark. Super, dass unser Zelt überdacht steht. So können wir es im Trockenen abbauen, ansonsten wären wir jetzt schon klitschnass gewesen. Zum Frühstück gibt es Bagles mit Babybel und Schinken. Ein Kaffee wäre super. Zigaretten waren gestern Abend schon leer. Paul und die Kanadier schlafen scheinbar noch, so machen wir uns im strömenden Regen ohne Verabschiedung auf den Rückweg. Trotz Gamaschen steht das Wasser nach 2 Meilen in den Schuhen. Ein Glück ist der Regen warm. Wir haben zwar unsere Regenjacken an, aber Hose und Schuhe sind durchnässt. Es ist wieder extrem glatt. Steine sind unsere Freunde. Auf ihnen finden die Schuhe guten Halt. Jetzt zählt nur noch ankommen. Einmal halten wir kurz an und prompt entdeckt eine Walkuh mit ihrem Kalb, wie sie auftauchen und mit den Flossen auf die Wasseroberfläche schlagen – Wahnsinn. Monoton und den Blick nur auf die 50cm vor unseren Füssen gerichtet, erreichen wir wieder Hanakapi'ai Valley. Einige Touristen mit Joggingschuhen haben trotz des schlechten Wetters den Weg hierher gefunden. Von hier sind es nur noch 2 Meilen. Doch erst müssen wir wieder den Fluss überqueren. Der Wasserspiegel ist um ca. 30cm gestiegen. Grisu schiebt die Krise. Ich gehe vor. Schuhe ziehen wir nicht mehr aus, da mehr Wasser auch nicht reinpasst. Während ich die Flussmitte erreiche, bemerke ich, dass Grisu gar nicht hinter mir ist. Sie steht noch am Ufer und will nicht - Blockade. Nachdem ich die andere Seite erreiche, lege ich den Rucksack ab und quere nochmal zurück, um ihr zu zeigen, dass die Strömung nicht so stark ist. Ein „Ich kann nicht.“ ist hier fatal und ich muss leider laut werden. Nach dem ersten Schritt ins Wasser packe ich Grisu am Rucksack und wir schaffen es gemeinsam zum anderen Ufer.

Jetzt ist die Stimmung am Tiefpunkt, aber wir erreichen wenig später endlich unser Auto.

Man sieht uns an wo wir herkommen, und werden mehrfach angesprochen und über den Trip und die Wegbeschaffenheit befragt. Am Strand gibt es eine Dusche. Wir stellen uns in voller Montur drunter und reinigen unsere Sachen, während wir uns bis zur Unterwäsche entblättern. Super – Endlich wieder sauber. So steht einem Bier, Kaffee und was Leckeres zum Essen im „Kalypso“ in Hanale'i nichts mehr im Wege. Grisu hat doch einige Stiche abbekommen und ein komischer Ausschlag breitet sich von den Knien her aus. 20min später beginnt es auch bei mir. Wir müssen irgendwelche giftigen Pflanzen gestreift haben. Es brennt etwas und spannt die Haut. Wir geben noch unsere Isomatten und das Zelt ab, bevor die Fahrt ins Hotel beginnt.

Nun sind wir wieder im Hotel. Grisu feilt sich die überlangen Nägel und ich schreibe diesen Bericht. Was ein Trip.

Im Hotel gibt es kostenfreie Waschmaschinen. Wir wollen hoffen, das morgen alles trocken ist.

Verleih von Camping Zubehör

Wer Zelt, Kocher, Isomatten etc. vor Ort leihen möchte.

Der nette Besitzer hat uns tolle Tipps und Infos über den Kalalau Trail gegeben.

PEDAL 'N PADDLE

Im Ching Young Village mitten in Hanalei, Kaua'i.

www.pedalnpaddle.com