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5. Tag Gletscher Ausbildung, Spaltenbergung

17
Sep.
2009

Heute bereiten wir uns auf den finalen Tag vor. Gletscher Ausbildung steht auf dem Plan. Mit Steigeisen und Pickel werden wir heute den Gletscher malträtieren.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf Richtung Jamtalferner. Moderate 500 Höhenmeter sind zu bewältigen, bevor wir die Gletscherzunge erreichen. Unterweg vertiefen wir nochmal unsere Kenntnisse in Orientierung und Kartenkunde. Robert führt uns an mehreren Jahresmarkierungen vorbei, die den extrem schnellen Rückzug des Eises dokumentieren. 

Das folgende Bild habe ich an der Jahr 2001 Markierung geschossen. Damals musste Robert hier schon die Steigeisen anlegen.


Wir gehen noch 300m weiter bis zum Übergang der Moräne zum Eis. Verglichen mit den Eiswänden in Neuseeland kommt der Gletscher zunächst einmal relativ unspektakulär daher.

Es ist soweit. Mit Steigeisen betreten wir das erste mal einen Gletscher. Zur Gewöhnung steigen wir weiter hinauf. Es folgen einige Übungen, die zum Teil kindisch anmuten, später jedoch wirklich mehr Vertrauen gegenüber dem Gerät mit sich bringen. Robert sucht eine schöne Gletschermühle, wo wir die Spaltenbergung nach der Theorie, in die Praxis umsetzen sollen. Da keiner von der Vorstellung in ein tiefes Loch abgelassen zu werden, begeistert ist, melde ich mich freiwillig.

Mit einem zu Anfang mulmigen Gefühl steige ich in den blauen Schlund hinab. Vom Rand der Gletschermühle kann man noch nicht die Tiefe erkennen. Beim Einstieg eröffnet sich unter mir eine 20m tiefer enger Abgrund. Nun hänge ich hier und warte geschlagene auf meine Rettung. Das mulmige Gefühl verfliegt, sodass auch ein paar Photos möglich sind. Mittlerweile entspannt, mit vertrauen in die Sicherung warte ich die nächsten 20min auf meine Rettung.

Anschließend opfert sich Tobias. Er muss im zweiten Anlauf nicht mehr so lange im Gurt hängen.

Weiter üben wir das Überqueren von Eisstufen und lernen potentielle Gefahren zu erkennen und zu meiden. Eine Weile queren wir noch die raue Eisfläche, wobei wir uns weiter mit der Tritttechnik mit Steigeisen vertraut machen.

Gelegentlich zeigt sich sogar die Sonne. Mittlerweile ist es später geworden. Wir steigen zügig zur Hütte ab, um die bisher immer köstliche, bis 16 Uhr servierte Mittagssuppe nicht zu verpassen.

Am Freitag werden wir die 3114m hohe Gems Spitz bestreiten. Uns erwarten auf der Tour auch 500 Höhenmeter über Gletscher, wobei wir das heute Erlernte beherrschen müssen.

Es ist jetzt 00.45 Uhr. Habe mit gerade einen halben Liter Rotwein reingetan. Es regnet zwar, aber für morgen ist das beste Wetter der Woche vorher gesagt.

Die Tour bedeutet für mich das Highlight der Ausbildung.

Bin gespannt.


Liebe Grüße

Dirk